Dingo
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Der Dingo (Canis lupus dingo) ist ein australischer Wildhund, der von Haushunden abstammt, aber seit Jahrtausenden wieder wild lebt.
1. Merkmale
Der etwa schäferhundgroße Dingo weist einige Ähnlichkeit mit einem Wolf auf, hat aber ein wesentlich kürzeres Fell. Die Tiere sind meist rötlich oder gelblich, mit weißer Schwanzspitze und großen weißen Pfoten. Es kommen auch schwarze und weiße Tiere vor. Dingos erreichen normalerweise eine Kopf- Rumpflänge von ungefähr 90 cm und werden etwa 15 kg schwer. Auf dem australischen Kontinent ist er der einzige Vertreter aus der Ordnung der Raubtiere, jedoch ist er nicht der einzige Beutegreifer. Der Dingo ist keine Wildform im eigentlichen Sinne, sondern ein wieder verwildeter Haushund.
2. Lebensraum
Er lebt überall auf dem australischen Kontinent und ist dabei nicht besonders wählerisch, was die Wahl des Ortes angeht. Sowohl in Wäldern und im Grasland als auch in den Wüsten des australischen Outback sowie auf manchen Inseln Australiens, wie zum Beispiel Fraser Island, ist er zu finden.
3. Lebensweise
Vor der Ankunft der Weißen lebten Dingos vor allem von der Jagd auf Kängurus und Wombats. Es werden auch andere Beuteltiere, Nager, Vögel, Echsen, Insekten, Eier und auch Aas gefressen.
Durch die weißen Siedler und ihre mitgebrachten Tiere änderte sich der Speiseplan. Heute sind die eingeschleppten Wildkaninchen wohl die Hauptbeute der Dingos, und die anstrengendere Jagd auf Känguruhs wird nur noch gelegentlich gewagt. Außerdem kommt es gelegentlich vor, dass Dingos Schafe reißen, was ihnen die Feindschaft der Farmer einbrachte. Gelegentlich gehen sie auch an Aas, und in der Nähe menschlicher Siedlungen an Abfalltonnen.
Im Gegensatz zum Haushund, welcher zweimal pro Jahr Junge zur Welt bringen kann, vermag dies der Dingo nur einmal. Die Paarungszeit fällt in den Herbst oder Winter. Nach etwa zwei Monaten Tragzeit werden die drei bis höchstens acht Jungen an einem geschützten Ort versteckt, manchmal in einer Felsspalte, oft in einer selbstgegrabenen oder vergrößerten Höhle anderer Tiere. Beide Eltern helfen bei der Aufzucht. Als Übergang vom Säugen zum Fressen von fester Nahrung werden die Jungen mit heraufgewürgtem Futter versorgt. Später wird ihnen tote Beute ins Versteck gebracht, und bald dürfen sie mit auf Beutefang. Mit vier oder fünf Monaten wird der Nachwuchs selbständig, darf aber noch bis zum Ende des ersten Lebensjahres mit den Eltern jagen.
4. Mensch und Dingo
Bei den Aborigines kam es gelegentlich vor, dass Dingo-Welpen gefangen und als Haustiere gehalten wurden. Eine Wieder-Domestizierung fand allerdings nicht statt, da die Aborigines keine Vermehrung der Dingos in ihrer Obhut zuließen. Bei den meisten Rinderfarmern ist der Dingo nicht unbeliebt, weil er Nahrungskonkurrenten wie verwilderte Kaninchen, Ziegen und Schweine jagt, die Rinder aber ihrer Größe wegen in Ruhe lässt. Bei den Schaffarmern dagegen ist er verhasst, obwohl Schafe nur in seltenen Ausnahmefällen zu seinen Beutetieren zählen.
Für hohe Kosten wurde ein Zaun gebaut, der Dingos aus den dicht besiedelten Regionen des australischen Südostens fernhalten soll. Jeder Dingo, der auf der falschen Seite des Zauns gefunden wird, ist zum Abschuss freigegeben, wofür mancherorts heute noch Belohnungen von den örtlichen Farmern gezahlt werden.
Der australische Hundezüchterverband ANKC hat den Dingo als Zuchtrichtung (Haushund) 1998 in seine Rassestandards mit aufgenommen, was aber nichts an seiner taxonomischen Einordnung innerhalb der Biologie ändert.
5. Abstammung und taxonomischer Status
Der Dingo stammt wahrscheinlich von relativ ursprünglichen Hunderassen Asiens ab (Pariahunde), die erst vor 3500 Jahren mit Menschen nach Australien gelangten. Aus unbekannten Gründen hörten die Menschen damals auf, Hunde als Haustiere zu halten, was zur Auswilderung und zur Entstehung der Dingos führte. Der Dingo entwickelte sich schnell zum wichtigsten australischen Räuber, der den Beutelwolf immer mehr verdrängte, bis dieser schließlich ausstarb.
Wie Wölfe bellen Dingos nicht und kommunizieren durch Heulen. Während der Wolf aber in wenigen Situationen bellt, ist der Dingo wegen des zu flachen Kehlkopfs nicht in der Lage zu bellen. Der Urhund hatte das gleiche Problem wie der Dingo. Da der Haushund keinen Artstatus hat, sondern selbst vom Wolf abstammt, wird der Dingo heute in der Taxonomie als Unterart des Wolfes mit der wissenschaftlichen Bezeichnung Canis lupus dingo geführt und nicht Canis familiaris dingo oder Canis lupus familiaris dingo.
Auch auf Neuguinea gibt es eine ähnlich entstandene Wildhund-Population, den Neuguinea-Dingo, der verborgen im Regenwald lebt.
Quelle: Sonderband Wikipedia 2005/2006
