Hovawart

Hovawart

Hovawart
 
FCI - Standard Nr.190
Patronat Deutschland
Klassifikation FCI
  • Gruppe 2 Pinscher und Schnauzer, Molossoide, Schweizer Sennenhunde und andere Rassen.
  • Sektion 2.2 Molossoide, Berghunde
Rassenamen laut FCI Hovawart
    • Schwarzmarken
    • Schwarz
    • Blond
Widerristhöhe Rüden 64-70cm, Hündin 58-65cm
Gewicht Keine Angaben
 

 

 

1. Geschichte

HOVAWART - Der Name der Rasse geht definitiv auf den "hovewart" Mittelhochdeutsch: Hova = der Hof und wart = der Wächter zurück.

Der Versuch, ihn etymologisch zu erklären, ist zwar hübsch, hat aber mit der Wirklichkeit der 1920er Jahre nichts zu tun. Dieser Erklärungsversuch geht so: Etymologen hätten in den 1990er Jahren belegt, daß der Name "Hovawart" sich aus "hov, hove", das dem angelsächsischen "how" nah verwandt ist, und "avartin, avartai", spätmittelhochdeutsch für "wartend", zusammensetzt. Sie hätten dieser Begriffskombination keine sinnvolle Deutung geben können, bis sie sich mit einem erfahrenen Kynologen unterhalten hätten. Offenbar sei schon früher für die Rasse typisch gewesen, daß die Hunde nicht auf fremde Menschen oder unbekannte Dinge zuliefen, sondern aus sicherer Distanz, "wie wartend" beobachteten und potentielle Gefahren einschätzten.

Mit "Hovewart/Hofwart" wurden im 14./15. Jahrhundert, allerdings ohne Beschreibung ihres Exterieurs, Hunde bezeichnet, die als Wachhunde dem Schutz von Haus, Hof und Herden dienten - derbe Bauernhunde also. Als nun Anfang des 20. Jahrhunderts Kurt Friedrich König und sein Vater Bertram König nach "überlegsamen Hunden", d.h. Hunden mit der Fähigkeit zu situationsgerechtem Handeln suchten, stiessen sie immer wieder auf starkknochige, lang- oder zotthaarige Hunde mit Hängeohren. Die nach dem 1.Weltkrieg aufkommende Übung, Schutzhunde durch Dressur und Schutzdienst auszubilden, widersprach den Erkenntnissen, die König mit seinen Hunden gemacht hatte, und so kam er im Jahr 1922 auf die Idee, aus diesen Restbeständen eines örtlich vorhandenen, vermeintlich aus dem Mittelalter stammenden "typischen" Bauernhunds, den Hovawart, zunächst als Zuchtversuch und später in Reinzucht als Rasse zu züchten. Er kreuzte Neufundländer, Leonberger, Deutsche Schäferhunde und den Kuvasz mit ein, um einen Hund zu erhalten, der vom Äußeren langhaarig und hängeohrig seinen Hunden glich und vom Wesen her ein natürlicher Schutzhund ist; dass er auch einen afrikanischen Wildhund mit einkreuzte, gehört möglicherweise in den Bereich der Legenden.

Der Hovawart wurde 1937 als eigenständige Rasse anerkannt.

2. Rassemerkmale

Es gibt den Hovawart in drei Farbschlägen: in blond, schwarzmarken und schwarz. Die Farbverteilung innerhalb der Gesamtpopulation beträgt ca. 60% schwarzmarken, 30% blond und nur 10% schwarz, wobei - außer bei blond/blond-Verpaarungen - sämtliche Farbschläge in einem Wurf vorkommen können. Der Geschlechterunterschied im Aussehen ist beim Hovawart (im Gegensatz zu den meisten anderen Hunderassen) sehr auffällig, wobei die Hündinnen von deutlich femininer Gestalt und Kopfform sind. Eine Verwechslung ist insbesondere bei schwarzen Hovawart-Hündinnen aufgrund der schlanken Form mit dem Flat-coated Retriever möglich. Blonde Hovawarte werden von nicht mit der Rasse vertrauten Personen häufig mit Golden Retrievern verwechselt.

Je nach Zuchtvereine können die gezüchteten Hovawarts etwas unterschiedlich aussehen: Während der RZV auf eine schlankere, feinere Form Wert legt, betont der HZD eher den burschikosen, stämmigeren Typ eines Hofhundes.

3. Wesen

Typisches Merkmal des Hovawartes sind seine Selbständigkeit und sein Selbstbewusstsein gegenüber Hunden und Menschen. Bedingungslosen Gehorsam, ähnlich dem Deutschen Schäferhund, wird man beim Hovawart kaum finden. Der Hovawart als Gebrauchshunderasse möchte beschäftigt werden, am besten täglich, sonst kann es leicht passieren, dass er sich seine Aufgaben selbst sucht. Geeignet ist er für fast alle sportlichen Unternehmungen, egal ob als Jogging- oder Reitbegleiter, als Schutz- und Fährtenhund, als Rettungshund, oder auch im Agility, allerdings sollte hierbei auf das Gewicht und die Konstitution des jeweiligen Hovawartes bei der Auswahl des Freizeitsportes geachtet werden, vor allem den Gelenken zuliebe. Allgemein benötigen Hovawarte viel Auslauf und und aufgrund ihres häufig sehr ausgeprägten Selbstbewusstseins auch einen Halter mit Durchsetzungsvermögen. Der Besuch eines Hundeplatzes oder einer Hundeschule ist empfehlenswert.

Gelegentlich wird kritisiert, dass Hovawarte (und hier insbesondere die Rüden) außerordentlich dominant und unverträglich mit Artgenossen seien. Solche Fälle sind in der Regel auf falsche Erziehung zurückzuführen.

4. Verwendung

Da der Hovawart zu den anerkannten Dienst- und Gebrauchshunderassen gehört, ist besonders der RZV bestrebt, einen sportlichen Gebrauchshund zu züchten (dementsprechend wird großen Wert auf Gesundheit, einen ausgeprägten Wehr- und Beutetrieb und auf nervliche Belastbarkeit gelegt), HZD und HC dagegen legen Wert auf die Züchtung des ursprünglichen, kräftigen und selbständigen Hovawartes, der weniger Wehr- und Beutetrieb aufweisen soll, da er dem ursprünglichen Wächter von Haus und Hof so nahe als möglich kommen soll.

5. Zuchtvereine

Heute gibt es drei vom VDH anerkannte Zuchtvereine: Den Rassezuchtverein für Hovawart-Hunde (RZV), die Hovawart-Zuchtgemeinschaft Deutschland (HZD) sowie den Hovawart Club Deutschland (HC). Zu erwähnen ist auch der "Verein für Hovawarthunde" (VHH), der zwar nicht dem VDH angeschlossen ist (also zu den so genannten Dissidenzvereinen zählt), aber ebenfalls höchste Ansprüche an Gesundheit und Wesen der Zuchthunde stellt.


 
Quelle: Sonderband
Wikipedia 2005/2006 

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